Dear Mr. Pope

The Pope

Die Kirche wird von so vielen verlassen, weil sie sich dort nicht mehr geborgen fühlen. Es ist nicht Aufgabe der Menschen sich der Kirche anzupassen, sondern die Kirche muss sich zu einem gewissen Maße nach den Bedürfnissen der Menschen richten, anstatt in einer mittelalterlichen Parallelwelt zu leben.

Der Zölibat war nie zeitgemäß. Die Menschen mögen durch das Verbot einer eigenen Familie vielleicht frei sein und sich auf die große christliche Familie konzentrieren können, aber vollkommen verstehen werden sie ihre Gemeindemitglieder somit nicht. Wie kann es sein, dass Priester, die sich in eine Frau verlieben und mit ihr nach den Geboten der Kirche in der Ehe leben wollen, lügen müssen, sich verstecken müssen, weil sie um ihre Arbeit fürchten, die sie lieben und nicht aufgeben möchten?

Die große Erkenntnis des 20. Jahrhunderts ist die, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind. Ich habe noch nie ein überzeugendes theologisches Argument gehört, weshalb Frauen nicht Priester werden sollten.

Die vielen Missbrauchsskandale wurden ganz einfach nicht konsequent geahndet sondern vertuscht. Sie sind verantwortlich für den Umgang mit diesem Thema. Mehr gibt es zu diesem Thema nicht zu sagen.

Geschieden Neuverheiratete sind Kinder Gottes. Ich denke alle Kinder Gottes sollten am Abendmahl teilnehmen dürfen, denn sie wurden eingeladen. Ich selbst durfte während meines Austauschjahres mit meiner katholischen Gastfamilie und ihrer Gemeinde das Abendmahl jeden Sonntag teilen, obwohl ich evangelisch bin, wofür ich sehr dankbar bin. Das seelische Dilemma derer, die fromm sind aber trotzdem einer zerbrochenen Ehe entflohen sind und ihr Glück neu gefunden haben ist groß. Die hohe Scheidungsrate der westlichen Länder ist im Grunde ein Erfolg, denn nun müssen Vergrämte, vielleicht sogar Misshandelte nicht mehr dem Tod ihres Partners entgegenfiebern.

Homosexualität, Bisexualität und Transsexualität sind keine Krankheiten, wie es einige katholische Ärzte behaupten. Das alles nennt man Liebe und Freiheit. Meiner Meinung nach sollte die Kirche die letzte sein, die sich der Freiheit in den Weg stellt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott möchte das Menschen eines qualvollen Todes sterben, weil sie mit HIV-Aids angesteckt wurden, im Glauben an Sie und Ihr Kondomverbot.

Sie suchen weder den Dialog noch suchen Sie Vielfalt. Vielmehr versuchen Sie zu verallgemeinern. Das Gleichmachen von Menschen wiederspricht aber doch der Individualität, die uns allen durch Gott schon im Mutterleibe gegeben ist. In einer theologischen Diskusion, in der wir uns gegenseitig Bibelstellen um die Ohren hauen würden, wäre ich zum Scheitern verurteilt. In Sachen Menschennähe und gesunden Menschenverstand aber denke ich, dass junge Menschen wie ich Ihnen um einiges vorraus sind.

In meinem Kopf befinden sich keinerlei bösen Vorurteile oder gar Vorwürfe gegen Katholiken – ganz im Gegenteil (ich denke oft in Liebe an meine Gastfamilie, amerikanische Kirchengemeinde und daran wie auch unser gemeinsamer Glaube an Gott uns eint)! Ihre Frömmigkeit verdient meine aufrichtige Bewunderung und ich mag es Ihnen zuzuhören. Sie sind eine Autoriät, die ich respektiere und zu schätzen weiß, aber ich würde niemals Katholikin werden.