Vom Führerscheinmachen.

Mein Ziel war es von Anfang an mich wohlinformiert in die Schlacht zu stürzen. Ich recherchierte die Preise der umliegenden Fahrschulen. Vorsicht und Aufmerksamkeit ergaben folgende Parameter der Fahrschulentscheidung:

  • Anmeldegebühr
  • Theoriestunden
  • Preis pro Praxisstunde
  • Preise Sonderfahrten
  • Vorprüfung Theorie
  • Vorstellung zur praktischen Prüfung

Desweitern kommen folgende fahrschulunabhängigen Kosten auf den zukünftigen Fahrschüler zu:

  • Sehtest
  • Erste-Hilfe-Kurs
  • ggf. Passfoto
  • Führerscheinantrag beim Amt
  • Fragebögen / Lernsoftware -oder app
  • Gebühr Theorieprüfung
  • Gebühr Praxisprüfung

Eine weitere Überlegung schloss mit ein, dass ich im Speckgürtel Berlins wohnend, meinen Führerschein in Berlin absolvieren wollte, so dass ich die fiktive Angst vor Stadtverkehr überwinden würde bevor sie sich entwickelte. Auf Grund der Horrorberichte anderer führerscheinmachender Mädchen bemerkte ich zudem eine leise Furcht davor einen Fahrlehrer zu haben, der mich bei jedem Fehler zur Schnecke macht.

Lange habe ich gezögert, bis ich mich schließlich bei einer Fahrschule anmeldete. Ich als bekennende Dealmakerin, bezahlte bei Vertragsabschluss als Grundgebühr statt 40€ nur 20€, weil ich der Empfehlung einer ehemaligen Fahrschülerin gefolgt war. Für weiter 20€ erstand ich die Fragebögen mit Antwortschlüssel. Die Grundgebühr deckte die Theoriestunden ab, welche ich ab Ende September mehr oder weniger regelmäßig besuchte. Nach circa fünf Einheiten hätte ich mit praktischen Fahrstunden anfangen können.

Wichtig für Menschen, die in einem Bundesland wohnen und im anderen Bundesland zur Schule gehen sind folgende zwei Erlebnisse: Als ich nach der üblichen Nummernzieh- und Warteaktion eines Tages vor der Sacharbeiterin eines Reinickendorfer Bürgeramts saß, teilte diese mir mit einem Blick auf meine Brandenburger Herkunft mit, dass ich mich mit meinem Antrag an das für meinen Wohnort zuständige Amt in Oranienburg zu wenden habe. Außerdem musste ich meinem Antrag einen Beweis beifügen, dass ich einen Grund hatte in Berlin meinen Führerschein zu machen. Dazu diente mir eine Schulbescheinigung meiner Frohnauer Schule.

Ich weigerte mich vehement lediglich für den Führerschein neue Passfotos zu machen, was am Ende dazu führte, dass der Prüfer sagte, als er mir meinen fertigen Führerschein in die Hand drückte (dass ich nicht wie alle andern auf den Echten warten musste, ist wohl meinem Dasein als vom Sachbearbeiter so genannte „Überlandakte“ zwischen Berlin und Brandenburg geschuldet): „Erkennen Sie sich auf dem Foto.?“ Auf dem Passfoto bin ich vierzehn Jahre alt.

Für den Sehtest blätterte ich 6,42€ hin. Der Erst-Hilfe-am-Unfallort-Kurs kostete mich wegen eines Angebotsflyers mit dem Stempel meiner Fahrschule statt 15€ nur 12€. Nun folgten ab April die praktischen Fahrstunden: Besonders angenehm war, dass ich bei meiner Fahrlehrerin sofort alles machen durfte, aber nicht musste. Es gibt wohl auch Lehrer, die einen in den ersten Stunden nur lenken lassen.! Nach sieben regulären Fahrstunden begann ich im Mai mit den Sonderfahrten: Nachtfahrt, Autobahnfahrt und Überlandfahrt.

Als ich im Juni nach bestandener, kostenfreier Vorprüfung endlich zur theoretischen Prüfung erschien, fiel ich durch. Für mich war das eine durchaus peinliche Angelegenheit. Es dauerte Monate bis ich mich im September erneut zusammenraffte, schließlich bestand und nach drei auffrischenden Fahrstunden eines Tages im November im Fahrschulauto saß, um meine praktische Prüfung zu bestehen.

Am Ende waren es also die üblichen zehn Fahrstunden, eher ungewöhnliche 15 Monate für die gesamte Prozedur und insgesamt 1145,95 €, welche den alten Verdacht zu bestätigen scheinen, dass ein Führerschein unter 1000€ nicht machbar ist. Tatsache ist jedoch, dass ich Kosten in Höhe von 155,83 (die drei weiteren Fahrstunden nach meiner selbstverschuldeten Sommerpause und erneute Theorieprüfungsgebühr) verursacht habe, als ich durch die Theorieprüfung gefallen bin.